Schon als Kind drehte sich mein Leben nur um Pferde. Ich hatte das große Glück, auf Pferden reiten zu lernen, die bis zur schweren Klasse ausgebildet waren und von guten Lehrern meine reiterliche Grundausbildung in Dressur, Springen und Vielseitigkeit zu erhalten.
Es genügte mir jedoch nicht, bereits weit ausgebildete Pferde nur nachreiten zu können. Ein Pferd von der Remonte bis in die hohen Lektionen auszubilden wurde mein Ziel, die feine Dressur meine Leidenschaft. Ich fing an, meinen Weg zu suchen wie ich Pferde so ausbilden kann, dass sie mühelose Leichtigkeit und Eleganz verkörpern, in Harmonie mit dem Reiter sind und mit Freude mit dem Menschen arbeiten.
„Hüten wir uns sehr, das junge Pferd zu verdrießen
und seine Anmut zu ersticken,
denn diese gleicht dem Duft der Blüten, der, einmal verflogen,
niemals wiederkehrt!"
(Antoine de Pluvinel, 1555-1620)
„Vor allem heißt es, oft aufzusitzen und dabei die Bücher nicht in den Regalen verstauben zu lassen.“ (Nuno Oliveira)
Um die vielen Zusammenhänge tiefgreifend verstehen zu können, begab ich mich zudem auf eine Zeitreise zu den alten Meistern der Reitkunst. Durch mein Studium der Literaturwissenschaft und Geschichte liebe und schätze ich die Bücher der vergangenen Jahrhunderte und deren Wissensschatz. Und so vertiefte ich mich in Werke von François Robichon de la Guérinière, François Baucher, Gustav Steinbrecht, Alois Podhajsky, Waldemar Seunig, Nuno Oliveira, uvm..
Der Freude am Ausbilden von Pferden folgte bald die des Ausbildens von Reitern.
Um meinen Schülern ein breites Repertoire im Unterricht zu bieten und um mein Wissen stets zu erweitern, besuchte und besuche ich zahlreiche Fortbildungen.
Bisherige Weiterbildungen bei:
Zudem:
Weitere Inspirationen sind für mich die Arbeit von
Nicht zu vergessen sind jedoch meine großen Lehrmeister, die Pferde!
Ich bin dankbar für all die unterschiedlichen Pferde, die in mein Leben traten und mit denen ich arbeiten durfte. Sie ließen mein Wissen wachsen, mich immer sehender werden und durch sie wurde ich der Mensch, der ich heute bin.
„Ich habe viele Meister gehabt, aber die Pferde waren die besten.“
(Xenophon, 426 v. Chr. - 354 v. Chr.)
Mein größter Lehrmeister ist mein heute 25-jähriger Lusitano Urano.
Ich kaufte ihn vor fast 20 Jahren aus Mitleid. Er kam aus Portugal und ich entdeckte ihn in einem Verkaufsstall in München.
Er hatte Kissing-Spines, mit 5 Jahren schon einen deutlichen Senkrücken und noch viele weitere körperliche Baustellen. Was mich am meisten berührte war, dass nicht nur sein Körper gelitten hatte, sondern das Erlebte bereits tiefe Wunden in seiner Psyche hinterlassen hatte. Er war das erste traumatisierte Pferd, das ich traf.
Er hatte sich „in sich“ gerettet, war daher sehr introvertiert und erwartete nichts Gutes vom Menschen. Ich weiß noch heute, was ich fühlte, als ich ihn sah. Ich versprach ihm „Ich gebe dir deinen Stolz zurück!“
Durch ihn durfte ich lernen, neue Wege zu gehen. Ich hatte mir viel Wissen und Können im Sattel angeeignet, aber von Bodenarbeit wusste ich nicht viel.
Nun hatte ich aber ein Pferd, dass schon in der Stallgasse stieg, wenn er nur einen Sattel sah. So sehr schmerzte sein Rücken. An Reiten war nicht zu denken. Zudem war er dem Menschen gegenüber voller Misstrauen. Ich wusste: zuerst muss ich einen Weg zu seinem Inneren finden, dann lässt er es zu, dass ich seinem Körper helfe. Und seinem Körper konnte ich nur vom Boden aus helfen.
So kam ich zum Natural Horsemanship. Ich verschlang alles, was es an Literatur gab und suchte die damaligen Größen der Szene und ihre Kurse auf.
Gleichzeitig entdeckte ich die Arbeit an der Hand für Urano und mich. Diese Kombination aus Horsemanship und klassischer Handarbeit ermöglichte es mir, Zugang zu Urano zu bekommen und seinen Körper so umzuformen und zu kräftigen, dass er in der Lage war, einen Reiter zu tragen. Zudem unternahmen wir lange Spaziergänge und arbeiteten an der Longe auf Kappzaum.
Nach und nach veränderte sich Urano. Er blühte auf, suchte meine Nähe, hatte Spaß am gemeinsamen Tun und er gewann seinen Stolz zurück.
Urano selbst und sein nun wunderschöner Körper zeigten, was man vom Boden aus bewirken kann. Auch auf den neuen Röntgenbildern seines Rückens war zu sehen, dass sich die Abstände der Dornfortsätze geweitet hatten! Der Tierarzt, der mir nach Uranos Kauf riet: „Geben sie den zurück, der wird nie ein Reitpferd“, musste seine Meinung revidieren.
Ich begann mit Uranos Ausbildung vom Sattel aus und er erwies sich als das talentierteste Pferd, mit dem ich je gearbeitet hatte. Das schönste war, dass er Freude am Gerittenwerden hatte. Dies lehrte mich: wenn wir Pferden Zeit geben, sie klug auf die Arbeit unter dem Sattel vorbereiten, ideenreich gymnastizieren und ihr Wesen respektieren, dann sind sie durchaus in der Lage, Spaß am Gerittenwerden zu empfinden.
Urano ließ sich von mir bis zur hohen Schule ausbilden. Er ging mit mir auf die verschiedensten Lehrgänge und nahm mit mir an einigen Aufführungen teil.
Ich habe diesem wundervollen Pferd unendlich viel zu verdanken und ich hoffe, dass er noch viele Jahre mein Leben bereichert!